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Sonntag, 22. Dezember 2013

Höhlen-Erkundungstour in Vang Vieng

Es wird wieder mal spannend heute. Wie spannend ist mir am Anfang des Tages noch gar nicht bewusst.

Mofa-Ausritt am Morgen

Heute starte ich mal ohne Frühstück los, leihe mir ein Mofa für 30000 Kip / 3 Euro. Das ist der Tagestarif wo ich es spätestens um 20:00 zurück gebracht haben muss. Interessanterweise kann ich es am nächsten Tag aber um 8:00 wieder ausleihen. Kostet die Hälfte als wenn ich es über Nacht vor der Tür stehen habe.

Das die Vorderbremse nicht die beste ist merke ich schon am Weg zur Tankstelle. Das Mofa wird laut Vertrag leer angemietet und jeder ist selber verantwortlich für den Füllstand im Tank. Damit hab ich schon mal eine Aufgabe und merke erst ein paar Kilometer später, dass der Tacho auch im Eimer ist. Das hilft mir mit der handgezeichneten Karte der Umgebung, die ich vom Verleih bekommen habe, nicht gerade weiter, da dort nur Richtungen mit Kilometerangaben drauf sind. Ich fahre also gleich mal ein paar Kilometer am eigentlichen Ziel vorbei.

Dafür sehe ich wieder mal eine echt schöne Landschaft und auf einer Brücke ein paar Einheimische beim Fische füttern.

Die Höhlen

Da es nur mit Pulli dann doch noch etwas frisch ist, beschliesse ich an dieser Stelle wieder umzukehren und finde am Rückweg tatsächlich die richtige Abzweigung.

Tham Nam

Ich bezahle 5000 Kip für den Parkplatz und nochmal 5000 für die 30 Meter Bambusbrücke um zu den Höhlen zu kommen. Beim Fussmarsch zu den Höhlen lausche ich den Gesprächen einer Touri-Gruppe, gehe mit denen mit und damit gleich mal an der ersten "Höhle" vorbei: Dazu später mehr.



Ich lande jedenfalls nach 5 Minuten bei einer Höhle, die sich nur per Tubing (also auf einem Reifen sitzend im Wasser schwimmend) erkunden lässt (drum heisst das Ding im Volksmund - wie sich natürlich immer erst später rausstellt - Water Cave, wäre ein Hinweis gewesen). Dafür ist mir das (zwar sonnige aber trotzdem noch ziemlich kühle) Wetter einfach mal zu kalt also schaue ich weiter. Natürlich erst mal in eine völlig falsche Richtung und damit mal wieder etwas weg vom ausgetretenen Touristen-Strom und zwischen Feldern und Bewässerungs-Bächen in die Natur.

Tham Loup

Irgendwann kapier ich dann, wo ich falsch gegangen bin und finde doch noch auf den rechten Weg zurück (hehe). Ich steuere recht zielsicher auf die erste Höhle zu, werde aber vorher noch recht geschickt abgefangen und um 10000 Kip / 1 Euro Eintritt erleichtert.

Nach ein paar Metern bergauf finde ich den Eingang zur Tham Loup, die hier schon recht warm und dunstig wirkt. Drinnen ist es stockdunkel (ich hab aber eine Stirn- und eine Taschenlampe mit) und durch den Dunst ist die Sicht nochmal schlechter. Die Höhle ganz allein zu erkunden ist schon etwas unheimlich. Vor allem auch, da ich zuerst herumleuchten muss um zu erkennen wo es überhaupt hin geht, dann am Boden leuchte, damit ich sehe wo ich hin steige (und nicht in irgendein Loch falle) und das alle 10 Meter abwechsle, weil ich nicht weiter sehe. (Stichwort: Fernlicht bei Nebel)

Eine gefühlte Ewigkeit später kommen ein paar chinesische Touris in die Höhle und damit wird es um einiges leichter sich zu orientieren. Mehr Licht, mehr Anhaltspunkte und die vorher dröhnende Stille der Höhle um mich jetzt von den Gesprächen der Asiaten unterbrochen. So tasten wir uns gemeinsam über Felsen und durch kleine Löcher durch die Höhle bis zum Ende ein paar hundert Meter im Berg. Es ist schon faszinierend, was die Natur für Formen zustande bringt. Leider kommt das Spiel aus Licht und Schatten (incl. der Farben) auf den Fotos nicht so gut zur Geltung. Drum selber mal rein schauen! ;-)













Durch diesen Spalt gehts weiter







Der Boden: Rutschiger Lehm umrandet von Steinstrukturen



Tham Hoi

Zurück am Tageslicht ist ein paar Meter weiter schon die nächste Höhle. Diese ist allerdings viel "einfacher": Im Prinzip ein 3-5 Meter breiter Tunnel in den Berg hinein, der von Touristenscharen in beide Richtungen frequentiert wird. Etwas unfreiwillig habe ich in dieser Höhle (wo es eigentlich nicht mehr notwendig wäre) einen Guide bekommen: Der Typ läuft einfach vor mir her und weist mich auf den besten Weg, Wasserpfützen, oder gefährliche Stellen hin. Nach ungefähr einem Kilometer steht Wasser in der Höhle und wir müssten knietief weiter waten. Nach Aussage meines Guides geht es noch zwei Kilometer weiter, wobei das Wasser immer tiefer wird und am Ende bis zum Hals reicht. Sorry, jetzt kommt keine spannende Geschichte mehr, denn für mich ist das der Punkt wo ich umkehre.

Der selbsternannte Guide verlangt am Ausgang 30000 Kip was auch ungefähr dem entspricht, was ich mir vorher an Trinkgeld für ihn überlegt habe. Er zeigt mir den Weg zurück und verabschiedet sich noch freundlich. Alle glücklich.









Tham Xang Xayyalam

Am Rückweg, gleich neben der Brücke über die ich gekommen bin, finde ich nun doch die Tham Sang oder Elephant Cave die nach einer Steinformation im Inneren benannt ist und nicht viel mehr als ein kleiner Tempel ist.



Diesem Stein verdankt die Höhle seinen Namen

Mittag-/Abend-Essen

Ich halte mich also nicht mehr lange dort auf, fahre zurück in die Stadt wo ich mir in einem Restaurant in der Nähe vom Krankenhaus Falaffel zu Mittag genehmige.

Ich treffe auch Esther, meine - bis vor kurzem - Reisebegleitung, die jetzt mit ihrer Bekannten Tina unterwegs ist und wir tauschen ein paar Infos über Vang Vieng und den Plan für Weihnachten aus. Später treffe ich sie beim Abendessen und die beiden geben ein paar Reiseerfahrungen zum Besten. Bei deren Wahrnehmung wundert es mich stellenweise warum sie überhaupt noch reisen, Worte wie "schrecklich", "furchtbar" und "geht gar nicht" fallen des öfteren. Unterschiedliche Wahrnehmung halt. Mir wird schmerzlich an mir selbst bewusst, was so eine negative Einstellung mit mir macht. Das gibt mir schon sehr zu Denken, da ich das auch von mir selbst nur zu gut kenne.

Kaeng Nyui Wasserfall

Nach dem Mittagessen habe ich noch ein wenig Zeit, aber keine Lust mehr auf Höhlen. Genug Beklemmung für einen Tag. Darum kommt mir der Karte markierte Wasserfall grade recht.

Leider ist dieser die sechs Kilometer Fahrt über eine Piste mit zum Teil faustgrossen Steinen und die 10000 Kip Eintritt nicht wirklich Wert. Der Wasserfall ist nicht viel mehr als eine Steilwand wo ein kleines Rinnsal heruntertröpfelt. Wieder mal ist die umliegende Landschaft bzw. Natur im Gesamten viel "mehr wert" als das Highlight im Touristenführer.

Zwei verschiedene Entfernungsangaben sind besser als unterschiedliche Richtungen

Es geht mal wieder über eine Brücke...

...im üblichen Zustand...

...zum Kenlon Wasserfall...

...und dann zum Kaeng Nyui "Wasserfall"

Die Landschaft am Rückweg
Das Abendessen hab ich ja vorher schon erwähnt. Die Mädels verabschieden sich auch bald, da sie am nächsten Tag den Bus nach Vientiane erwischen wollen und auch ich werde gegen 22:00 aus dem Lokal "geschmissen".

Freitag, 20. Dezember 2013

Plain of Jars

Heute gehts mit einer Minivan-Tour raus zu den Plain of Jars. Aber bevor es richtig los geht, fahren wir erst einmal zur Tourist-Information, wo unser Guide noch irgendwelche Formalitäten erledigt und wir die ersten Kriegs-Überbleibsel zu sehen bekommen. Kurz darauf geht es weiter zur Site 3 (von über 50, aber drei wesentlichen) der Plain of Jars.


Site 3

Die riesen Steinkrüge, die vermutlich 2-3000 Jahre alt sind und als Beerdigungsgefässe gedient haben, sind sehr beeindruckend. Aber fast noch eindrücklicher ist allerdings die Landschaft mit ihren Reisfeldern und Bergen rundherum.






Unser Guide beim Geschichtsvortrag

Russischer Panzer

Wir bekommen von unserem Guide einiges an Hintergrundinfo und dann geht es auch schon weiter zum Wrack eines russischen Panzers (von dem wirklich nicht mehr viel übrig geblieben ist).

Site 2

Vom Panzer gehts zur Site 2, die auf einer leichten Anhöhe gelegen ist und wo die Natur langsam die Steinkrüge wieder für sich beansprucht.







Mittagessen und Schnaps

Nahe der Site 2 gibts Mittagessen und im Anschluss machen wir eine kleine Zwischenstation bei einer Whisky-Destillerie. Hier werden 20kg Reis gekocht, mit Hefe angesetzt und nach ungefähr drei Wochen zu 16 Liter Reis-Schnaps (=Whisky oder Lao Lak) destilliert.



Site 1

Nach einer kleinen Schnaps-Kostprobe geht es weiter zur Site 1 der Plain of Jars wo über ein sehr weitläufiges Gebiet an die 250 Gefässe (das grösste wiegt sechs Tonnen) verstreut liegen. Dazwischen sind einige Bombenkrater aus dem Secret War (zeitgleich mit dem Vietnamkrieg, Details später) zu bestaunen.



Der grösste bisher gefundene Krug



Ein Bombenkrater neben den Steinkrügen


Markierungsstein der MAG: Hier ist es sicher


Kleine Höhle, der im Krieg als Schutz gedient hat...

...solange nichts durch das Loch in der Decke reinfällt

Filme im MAG

Abends nach unserer Tour besuchen wir das MAG (Mines Advisory Group)-Zentrum wo wir uns (gratis!) zwei sehr aufschlussreiche Filme ansehen. Ich kann und will hier nicht alles wieder geben, aber ein paar Details möchte ich an dieser Stelle dann doch los werden (weil ich sie für wissenswert erachte):

  • Es gab offiziell keinen Krieg zwischen den USA und Laos, durch die Nähe zu Vietnam war Laos während des Vietnamkriegs (wegen dem Ho Chi Minh-Trail, der Versorgungslinie zwischen Süd- nach Nordvietnam) dennoch sehr interessant.
  • So wurden Minderheiten (namens Hmong) in Laos von dem Amerikanern als Bodentruppen (unter dem Versprechen nach dem Krieg ausgesiedelt zu werden) verpflichtet.
  • Diese Minderheiten wurden natürlich nie ausgesiedelt (oder nur sehr wenige) und der Rest wurde von der laotischen Regierung in einer Art Bürgerkrieg nach dem Vietnamkrieg (der hier übrigens "american war" heisst) verfolgt.
  • Lange Zeit später erfolgte eine Versöhnung der Minderheiten mit der restlichen laotischen Bevölkerung und mittlerweile gibt es andere Feindbilder:
  • Denn, was ich bis dato nicht wusste ist, dass Laos (und im Besonderen die Provinz Xieng Khouang, also die Gegend um Phonsavanh) das am meisten bombardierte Land der Welt ist. Hier wurden über neun Jahre hinweg 560000 Luftangriffe (also ca. alle 8 Minuten einer) geflogen und dabei 2 Mio Tonnen Bomben, Minibomben usw abgeworfen. Das ist mehr als die alliierten Mächte insgesamt im Zweiten Weltkrieg abgeworfen haben.
  • 30 Prozent dieser Sprengkörper haben nicht gezündet und liegen immer noch herum. Für die ländliche Bevölkerung schaut das Leben dann so aus, dass sie entweder ihr Leben riskieren um die Bomben zu bergen und etwas Geld für das Metall zu bekommen oder ihr Leben beim Bestellen ihrer Felder riskieren. Viele Menschen haben nicht genug zu Essen und dennoch zu viel Angst ihre Felder zu vergrössern, da nicht sicher gestellt ist, dass da nicht doch noch wo Bomben herum liegen.

Das lässt mich auch ein wenig darüber reflektieren wie viel ich so in meinem Leben riskiere und wofür. Ich lasse das jetzt einfach mal so stehen - Ich glaube, an dieser Stelle darf sich jeder selber weiter Gedanken machen.

Nur so viel: Die MAG (Mines Advisory Group) freut sich jedenfalls sehr über Spenden! ;-)